Bitcoin und Steuern: Das müssen Sie wissen!

Bitcoins mögen kein klassisches Geld sein - aber eben doch Geld. Daher gelten auch hier steuerliche Regelungen, da der Staat gerne etwas vom Kuchen abhaben möchte.

Beachten Sie: Damit alles korrekt abläuft, sollten Sie sich zuerst daran gewöhnen, jede Transaktion genau festzuhalten. Wann haben Sie den Bitcoins gekauft, wo ist das geschehen und wie viel Geld ist dabei geflossen? Möglicherweise werden Sie diese Informationen nie brauchen, aber Finanzämter sind normalerweise neugierig - und in diesem Bereich bislang auch noch nicht mit dem notwendigen Fachwissen ausgestattet.

Wann ist der Bitcoin steuerpflichtig und wann steuerfrei?

Steuerpflichtig ist der Bitcoin immer dann, wenn es sich um ein privates Veräußerungsgeschäft handelt (siehe dazu $ 23 EStG). Diese Regelung tritt dann in Kraft, wenn Sie den Bitcoin innerhalb eines Jahres kaufen und wieder verkaufen. Offensichtlich diente dieser Kauf nur dazu, Geld zu verdienen - ergo fallen Steuern an.
Beispiel
Am 2. Januar 2016 haben Sie 10 Bitcoins für 10.000 Euro gekauft. Am 24. Juni 2016 verkaufen Sie die 10 Bitcoins für 20.000 Euro.
Ergebnis
Den Gewinn in Höhe von 10.000 Euro ist gemäß § 23 Einkommensteuergesetz (privates Veräußerungsgeschäft) steuerpflichtig.

Freigrenze von 600 Euro

Es gibt eine Freigrenze, die allerdings bei sehr niedrigen 600 Euro jährlich liegt. Ab Erreichen von 601 Euro wird der Bitcoin-Handel also steuerpflichtig. Liegt der Gesamtgewinn eines Jahres über 600 Euro, ist der komplette Gewinn steuerpflichtig. Erzielen Sie zum Beispiel einen Veräußerungsgewinn von 630 Euro, müssen Sie nicht etwa 630 Euro - 600 Euro = 30 Euro versteuern, sondern die gesamten 630 Euro.

Steuerfrei nach 12 Monaten

Steuerfrei ist der Bitcoin dann, wenn mehr als ein Jahr zwischen Ankauf und Verkauf vergeht. Verantwortlich dafür, dies nachzuweisen, sind Sie selbst. Sie sollten also genau aufzeichnen, wann und wie viele Bitcoins Sie verkaufen.
Beispiel
Am 2. Februar 2016 haben Sie 10 Bitcoins für 10.000 Euro gekauft. Am 3. Februar 2017 verkaufen Sie die 10 Bitcoins für 25.000 Euro.
Ergebnis
Der Gewinn in Höhe von 15.00 Euro unterliegt nicht der Einkommensteuer, da die sogenannte Spekulationsfrist von 12 Monaten abgelaufen ist.
Eine Ausnahme der Steuerfreiheit besteht dann, wenn Sie für den Bitcoin auch Zinsen bekommen. Über Bitcoin-Börsen wie zum Beispiel Poloniex kann man seine Bitcoins an andere Nutzer verleihen. Für das Verleihen erhält man Zinsen Der Zeitraum dehnt sich dann auf zehn Jahre aus, bis die Steuerpflicht "verjährt". Hintergrund ist die Tatsache, dass Sie mit dem Wirtschaftsgut Bitcoin Geld erwirtschaftet haben.

Im Prinzip ist es sehr einfach zu erkennen, wann Bitcoins (bzw. der Handel mit der Kryptowährung) steuerpflichtig sind und wann nicht.

Bitcoins werden nach dem FIFO-Prinzip verkauft (First In, First Out)

Grundsätzlich ist es sinnvoll, bei der Besteuerung der Bitcoin dieses abgekürzt als FiFo-Verfahren bekannte System zu verwenden. Vereinfacht ausgedrückt verbirgt sich dahinter die Aussage, dass der zuerst gekaufte Bitcoin auch zuerst veräußert werden sollte. Sinnvoll ist dies, um für jeden Handel eine eigene steuerliche Bewertung zu erhalten und die Ein-Jahres-Grenze möglichst schnell zu erreichen. Dafür ist es wieder einmal wichtig, dass Sie sich jede Transaktion genau aufschreiben, inklusive Zeitpunkt und Volumen der Transaktion. Jeder Einkauf von Bitcoins hat dann einen bestimmten Wert und einen Kaufzeitpunkt. So wird es für das Finanzamt später einfacher, für jede Transaktion eine eigene Bewertung durchzuführen und die Steuerfreiheit sicherzustellen.


Abbildung: So funktioniert das FIFO-Verfahren: Der Anfangsbestand (5 Bitcoins) wird durch 2 Bitcoins (grün) ergänzt. Wenn anschließend 4 Bitcoins verkauft werden, verringert sich zuerst der orangene Anfangsbestand. Die neuesten Bitcoins (grün) werden noch nicht verkauft...

Hintergrund für das FiFo-Verfahren ist die Tatsache, dass Sie schneller in den Bereich kommen, steuerfreie Veräußerungen vorzunehmen. Die Alternative wäre das deutlich schlechtere System Last In, First Out: Damit würden Sie den jeweils zuletzt erworbenen Bitcoin zuerst abgeben. Dies würde keinen Sinn ergeben, da die vorher erworbenen Bitcoins erst dann steuerfrei gehandelt werden könnten, wenn Sie den zuletzt erworbenen Bitcoin mindestens ein Jahr aufbewahren, und jeder veräußerte Bitcoin steuerpflichtig wäre.

Umsatz- und Kapitalertragssteuer beim Bitcoin

Zuerst einmal gelten hier zwei einfache Regeln:
  • Die Kapitalertragssteuer spielt beim Bitcoin erst einmal keine Rolle. Das gilt auch dann, wenn es sich beim Verkauf der Bitcoins um Erträge handelt, die eigentlich aus Kapital generiert werden.
  • Sehr wohl tritt die Kapitalertragssteuer jedoch in Kraft, wenn Sie aus der Kryptowährung Zinsen oder zinsähnliche Erträge generieren. Auf jene Zinsen würde dann die Steuer gelten.
Bei der Umsatzsteuer ist der Fall ebenfalls klar. Der Europäische Gerichtshof hat dazu entschieden, dass es sich beim Bitcoin um eine ganz gewöhnliche Währung handelt. Das heißt, dass diese auch von Umsatzsteuer befreit ist. Eine Änderung dieses Urteils ist nicht zu erwarten.

Steuerpflicht auch beim Tausch gegen Altcoins

Das bereits erwähnte private Veräußerungsgeschäft liegt auch dann vor, wenn Sie Bitcoins in eine andere digitale Währung (Altcoin) tauschen. Auch hier gilt jedoch, dass dies nur dann der Fall ist, wenn die Transaktion innerhalb von einem Jahr nach Anschaffung des gehandelten Bitcoin erfolgt.

Eintrag in die Steuererklärung

Alle Überschüsse, die Sie aus der Veräußerung von Bitcoins generieren, sollten in die Anlage SO (Sonderausgaben) wandern. Jener Überschuss setzt sich zusammen aus den durch den Verkauf erzielten Gewinnen abzüglich der Anschaffungskosten und der Veräußerungskosten (etwa Gebühren beim Händler). Verkaufen Sie also etwa einen Bitcoin für 1.000 Euro, den Sie vorher für 800 Euro eingekauft haben, und fallen dabei noch 50 Euro Veräußerungskosten ein, versteuern Sie in Anlage SO 150 Euro (1.000 - 800 - 50 = 150).

Der Steuersatz bewegt sich abhängig von Ihrem Gewinn im Rahmen von 0 % bei Steuerfreiheit bis 45 %. Private Veräußerungsgeschäfte fließen dabei ganz natürlich in das ohnehin zu versteuernde Einkommen ein. Übrigens dürfen Sie eventuelle Verluste, die Sie bei einer Veräußerung erzielen, nicht mit anderen Einkünften aus anderen Bereichen verrechnen. Verluste dürfen nur mit Gewinnen aus ebenfalls privat geführten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.

Übrigens: Sie sollten auch dann die Anlage SO ausfüllen, wenn der erzielte Gewinn unterhalb der Freigrenze von 600 Euro liegt. Der Grund dafür liegt im Finanzamt, das ganz gerne selbst entscheidet, wann ein Geschäft steuerfrei abläuft und wann nicht. Rechnen Sie also Ihre Einnahmen gegen Ihre Ausgaben und geben Kauf- und Verkaufszeitpunkt an - selbst, wenn dabei nur ein mickriger Wert herauskommt.

Wie bei allen Einkünften gilt: Wenn Sie so ausführlich wie möglich vorgehen, machen Sie alles richtig.

Steuern beim Mining

Mining wird so betrachtet, dass es sich um eine gewerbsmäßige Absicht zur Erzielung von Gewinn handelt. Mit anderen Worten: Das Mining - auch im privaten Bereich - ist ein kleines Gewerbe. Als Miner üben Sie die Tätigkeit des Minens gewerbsmäßig aus, weshalb auch alle Einkünfte steuerpflichtig sind. Es handelt sich nicht mehr um ein kleines, steuerfreies Privatvermögen. Ergo müssen alle Einkünfte aus dem Mining-Betrieb auch beim Finanzamt gemeldet werden.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Gewerbesteuerpflicht, die ab 24.500 Euro pro Jahr anfällt. Sie ist stark abhängig von der jeweiligen Gemeinde, in der Sie wohnen. Sobald Sie mit dem Mining beginnen, müssten Sie außerdem eine Gewerbeanmeldung ausfüllen. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass Sie alle Kosten in Verbindung mit dem Mining steuerlich geltend machen dürfen. Dies schließt etwa teures Mining-Equipment mit ein. Pro Jahr können Sie dadurch sehr viel Geld sparen.

Zusammenfassung

  • Es gibt eine Freigrenze von 600 Euro jährlich. Ab Erreichen von 601 Euro sind die kompletten 601 Euro Gewinn steuerpflichtig!
  • Bitcoins oder Altcoins werden nach dem FIFO-Prinzip verkauft: Der zuerst gekaufte Bitcoin / Altcoin wird automatisch auch zuerst veräußert. Akternativ kann das Finanzamt auch LIFO, OFO oder HIFO akzeptieren.
  • Bitcoins die länger als 12 Monate gehalten werden sind Steuerfrei.
  • Erhalten Sie für Ihre Bitcoin Zinsen, sind die Gewinne erst nach einer Haltefrist von 10 Jahren steuerfrei.
  • Verluste können nur mit Gewinnen aus dem Kryptohandel gegengerechnet werden.
  • Alle Gewinne, die Sie mit Bitcoins generiert haben, wandern in die Steuererklärungs-Anlage SO (Sonderausgaben).
  • Miner handeln immer gewerblich. Sie müssen ein Gewerbe anmelden und sind ab ab 24.500 Euro pro Jahr gewerbesteuerpflichtig. Mining-Equipment kann steuerlich geltend gemacht werden.

Fazit

Als Faustregel halten Sie am besten fest, dass der Bitcoin erst einmal steuerpflichtig ist - auch, wenn sie es nicht ist. Das soll heißen, dass Sie sie in jedem Fall in der Steuererklärung angeben sollten. Das Finanzamt entscheidet dann, was Sie bezahlen müssen und was nicht. Übrigens: Unsere Tipps sind zwar explizit für den Bitcoin (BTC) geschrieben, allerdings sollten sich diese Erklärungen auch für alle anderen Kryptowährungen eignen. Beweisen Sie außerdem ein wenig Geduld, denn die meisten einfachen Beamten beim Finanzamt werden sicherlich noch nichts vom Bitcoin gehört haben.