Die Geschichte des Bitcoin

Was den Bitcoin und ganz allgemein Kryptowährungen angeht, ist in den vergangenen neun Jahren viel passiert. Was im Jahr 2008 als windige Idee auf einem geheimnisvollen Whitepaper begann, ist heute zu einem Phänomen herangewachsen, dessen Größe und Bedeutung damals nur die größten Optimisten hätten voraussagen können. Nun, da der Bitcoin beinahe im Wochentakt eine Tausendermarke nach der anderen knackt, lohnt es sich kurz innezuhalten und einen Blick in den Rückspiegel zu werfen.

2008: Die Geburtsstunde des Bitcoin

Es ist wohl der Science-Fiction-Literatur der 1970er- und 1980er-Jahre zu verdanken, dass eifrige Kryptografen schon zu dieser Zeit über den ersten Entwürfen von verschlüsselten Zahlungssystemen brüteten. Allerdings sollte es bis zum Jahr 2008 dauern, bis ein solches System zumindest in Form eines funktionsfähigen Entwurfs Wirklichkeit werden sollte. Für großen Aufruhr sorgte am 31.08.2008 dementsprechend ein geheimnisvolles Whitepaper mit dem Titel »Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System«, das unter dem bis heute nicht aufgedeckten Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlicht wurde.

Interessanterweise tauchte der Name Bitcoin jedoch bereits im Vorfeld dieser Veröffentlichung auf, die das Konzept eines perfekten Zahlungssystems ohne Mittelsmann beschrieb. Knappe zwei Wochen vor dem Erscheinen des Whitepapers wurde nämlich ein Patent für eine Verschlüsselungssoftware angemeldet, die in ihren Grundzügen die Basis des Bitcoin bildet. Allerdings konnte man den drei Männern, Charles Bry, Vladimir Oksman und Neal Kin, die das Patent anmeldeten, bis heute keine Verbindung zu Satoshi Nakamoto nachweisen. Gerüchten zur Folge ist die NSA mittlerweile hinter die Identität des Bitcoin-Schöpfers gekommen, hält dessen Namen jedoch bis heute unter Verschluss.

2009 -2010: Der legendäre Pizza-Deal

Pizza per Bitcoin Bezahlung Genau genommen existierte der Bitcoin 2008 nur als Idee. Wirklich Gestalt nahm er erst am 12. Januar 2009 an, als eine erste echte Bitcoin-Transaktion die tatsächliche Geburtsstunde der Kryptowährung einleitete. Diese besagte Transaktion fand zwischen dem ominösen Satoshi Nakamoto und dem bereits verstorbenen Informatiker Hal Finney statt und hatte einen Wert von 10 Bitcoins - eine Summe, die damals nicht einmal einem US-Cent entsprach, heute jedoch rund 70.000 US-Dollar entspricht. Wie viele andere Dinge, die in geschlossenen Informatikerkreisen diskutiert wurden, wurde auch dem Bitcoin keine großartige Aufmerksamkeit zuteil. Wer sich jedoch im Rahmen des Projekts engagierte, konnte mit nur wenig Aufwand zehntausende Bitcoins auf seinem heimischen Rechner minen.

Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein findiger Informatiker daran begab, den Bitcoin für genau den Zweck zu nutzen, für den er konzipiert wurde - als Zahlungsmittel. Am 18.05.2010 schlug der im US-Bundesstaat Florida wohnende Programmierer Laszlo Hanyecz in einem Forum den legendären »Pizza-Deal« vor. Hanyecz bot demjenigen, der ihm zwei Pizzen organisieren würde, 10.000 Bitcoins. Nachdem sich einige Tage niemand auf das Angebot meldete, war es schließlich ein Brite, der den Deal einging und Hanyecz für 25 US-Dollar zwei Pizzen nach Wunsch liefern ließ. Als Gegenleistung erhielt der Brite Bitcoins im Wert von 0,0025 US-Dollar pro Stück. Hätte der Brite zumindest die Hälfte seiner Bitcoins bis heute gehalten, wäre er 33.355 Millionen US-Dollar schwer.

Bitcoin Pizza-Deal

2010-2011: Von Pornos und Tulpenzwiebeln

Auch wenn dieses erste, zugegeben etwas klischeehafte Bitcoingeschäft weltweit von vielen Massenmedien aufgenommen wurde, so blieb die große Aufmerksamkeit doch aus. Neben Informatikern, die sich nun langsam des riesigen Potenzials der Blockchain-Technologie bewusst wurden, waren es jedoch auch zwielichtige Gestalten, die ihren Nutzen aus dem Bitcoin zogen. Über erste Börsen lief im Jahr 2010 der Handel langsam an, sodass sich der Bitcoin-Kurs aufgrund der steigenden Nachfrage von 0,008 US-Dollar auf 0,08 US-Dollar verzehnfachte.

Unter anderem vom steigenden Gebrauch des Bitcoin für den illegalen Handel mit Drogen, Waffen und Pornos beflügelt stieg der Kurs bis Ende 2010 auf 20 US-Cent an. Selbst die breite Verwendung des Bitcoins auf dem Online-Schwarzmarkt Silkroad und die damit verbundene Brandmarkung konnte den Kurs Anfang 2011 in seinem kometenhaften Aufstieg nicht aufhalten. Und so warnten Finanzexperten bei Kursen von 30 US-Dollar schon Mitte 2011 vor einer Tulpenzwiebel-Hausse 2.0. Ganz unbegründet war die Warnung nicht, denn unter anderem durch erste Hacks bzw. Manipulationen von Börsenbetreibern ausgelöst, stürzte der Bitcoin-Kurs von über 30 US-Dollar auf einen einzigen US-Cent ab.

2012: Der Bitcoin gewinnt an Akzeptanz

Nach diesem Tiefschlag für den Bitcoin wurde im Jahr 2012 die Bitcoin Foundation gegründet. Das Ziel der Organisation, die einen zugegebenermaßen nicht von der Hand zu weisenden Lobbycharakter hat, war und ist die Verbreitung und Akzeptanz des Bitcoin zu fördern. Dieses Bestreben hatte zu dieser Zeit auch Erfolg, denn immer mehr Online-Shops und Dienstleister wie zum Beispiel die Blogger-Plattform WordPress nahmen den Bitcoin als Zahlungsmöglichkeit an. Auch die Zypernkrise, die zahllose Vermögende aus Russland, Zypern und Griechenland dazu veranlasste, nach alternativen Häfen für das eigene Vermögen zu suchen, half dem Bitcoin stets neue Kursziele zu erreichen. Zum Höhepunkt der Zypernkrise zählte die damals größte Bitcoin-Börse der Welt ganze 20.000 neue Mitglieder pro Tag. Diese erste auch in der Öffentlichkeit wahrgenommene Hausse trieb den Bitcoin erstmals über die 1.000-US-Dollar-Marke.

2013-2014: The Wolf of Bitcoin

Der Durchbruch durch diese Schallmauer im November 2013 rief einige neue Akteure auf den Plan. Darunter etwa die US-Finanzbehörde und die Peoples Bank of China. Diese Einmischung kam auch nicht von ungefähr, denn die Geschehnisse der vergangenen Monate hatten bewiesen, dass ein System wie Bitcoin durchaus am Thron der Zentralbanken sägen kann. Speziell in China reagierte man mit einem großflächigen Verwendungsverbot, auch wenn sich dieses als völlig wirkungslos herausstellen sollte. Die Goldgräberstimmung endete Anfang 2014 jedoch ebenso abrupt wie der Ruhm von Jordan Belfort in den 1980er- und 1990er-Jahren.

Die Nachricht, dass bei der größten Tauschbörse Mt. Gox 850.000 Bitcoins gestohlen wurden, hatte einen Vertrauensknacks zur Folge, der den Bitcoin-Kurs auf eine einjährige Talfahrt schickte. Besonders pikant sind die Zwischenergebnisse der bis heute noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen nach der Insolvenz der Börse Mt. Gox. Die mit dem Fall betrauten japanischen Ermittler gehen nämlich davon aus, dass lediglich 7.000 Bitcoins tatsächlich durch einen Hackerangriff abhandengekommen sind. Der Rest ist vermutlich durch Manipulationen abgezogen worden.

2015-2016: Katerstimmung - oder die Ruhe vor dem Sturm

Das Jahr 2015 verlief vergleichsweise ruhig, was vor allem an der noch vorhaltenden Verunsicherung in Verbindung mit der Mt. Gox-Pleite gelegen haben dürfte. Nichtsdestotrotz stieg die Anzahl der Shops, die den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierten auf über 160.000 an. Im Windschatten dieser Katerstimmung etablierten sich zahlreiche Altcoins wie etwa Ethereum, die heute zweitgrößte Kryptowährung am Markt. Nachdem der Bitcoin-Kurs im Februar 2015 ein Tief bei 200 US-Dollar erreichte, setzte der Kurs ab Mitte des Jahres zu einem sachten Steigflug an, der sich über das Jahr 2016 hinweg noch weiter intensivieren sollte. Gegen Ende 2016 befand sich der Bitcoin schließlich wieder in Schlagdistanz zur 1.000-US-Dollar-Marke.

2017 Bitcoin ist wertvoller als Gold

Bevor der Bitcoin allerdings zu seinem bis heute anhaltenden Höhenflug ansetzen sollte, folgte im Januar ein erneuter Rückschlag. Dieser ging unter anderem auf das Konto der chinesischen Führung, die mit verschärften Regulierungen auf die Kapitalflucht in den Bitcoin infolge der zuletzt erweiterten Kapitalverkehrskontrollen reagierte. Möglich war der Absturz von 1161 US-Dollar auf rund 750 US-Dollar bedingt durch die Tatsache, dass das mit Abstand größte Handelsvolumen in China und Indien zu finden ist. Am 2. März 2017 erreichte der Bitcoin schließlich einen Meilenstein, zumal die Kryptowährung mit einem Kurs von 1.263 US-Dollar erstmals mehr wert war als eine Unze Feingold, die damals bei rund 1.230 US-Dollar notierte.

Seit März 2017 kennt der Bitcoin im Makromaßstab betrachtet kein Halten mehr, denn seither wurde Tausendermarke um Tausendermarke durchbrochen. Selbst Negativereignisse, wie das Veto der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) gegenüber der Einführung eines Bitcoin ETF am 11. März oder die Analysten-Kritik von Nautilus Research, die den Aufstieg des Bitcoin mit der Silberblase der 1980er-Jahre verglich, konnten den Bitcoin-Kurs nur kurzzeitig zurückwerfen. Kurstreiber waren neben der steigenden weltweiten Nachfrage, insbesondere aus China, Indien und Venezuela, auch anstehende Hard Forks.

Seit dem 1. August 2017 existieren zwei Währungen mit dem Namen Bitcoin: Bitcoin (BTC) und Bitcoin Cash (BCH, BCC oder XBC). Die Bitcoin-Blockchain hat sich in zwei Ketten aufgespalten (Hard-Fork). Hintergrund des Ganzen ist die sogenannte Blocksize-Debatte. Einige Jahre hat die Bitcoin-Community daüber debattiert, ob der Speicherplatz für einen Block auf der Blockchain erhöht werden soll. Beim Bitcoin entsteht ~ alle 10 Minuten ein Block mit einer Größe von etwa 10 Megabyte. Dadurch können maximal 7 Transaktionen pro Sekunde durchgeführt werden. Bitcoin Cash hat einen achtmal größeren Speicher für Transaktionen. Dadurch ergeben sich schnellere Transaktionen und niedrigere Überweisungs-Gebühren.
Bitcoin Bitcoin Cash
Gründung 2009 2017
Abkürzung BTC BCC
Bitcoin-Protokoll Blockchain Bitcoin ABC
Blockgröße 1 Megabyte 8 Megabyte
1 Euro entspricht 0,0004 noch ungewiss

Auch Spekulationen darüber, dass Online-Giganten wie Amazon den Bitcoin womöglich in Zukunft als Zahlungsmittel akzeptieren werden, sind dafür verantwortlich, dass der Bitcoin nach und nach sein wahres Potenzial einer breiten Masse offenbart. Die Folge ist ein aktueller Kurs rund um die 7.000 US-Dollar Marke.